Rückblick zu Lichtsignal Synagoge Liesing

Rund 100 Menschen aus Liesing und Umgebung kamen heuer zu unserer Veranstaltung Lichtsignal Synagoge Liesing.

Wir haben zunächst einen neuen Stein der Erinnerung für Zdzistawa Ciehawa vorgestellt – an ihrem letzten Wohnort, bei dem sich heute der Billa-Markt am Liesinger Platz befindet. Die Liesingerin wurde 1944 nach Auschwitz-Birkenau verschleppt und dort ermordet.

Im Anschluss trafen wir uns beim Amtshaus am Liesinger Platz. Bezirksvorsteher Gerald Bischof betonte in seiner Rede die hohe Aktualität des Gedenkens. Die jüngste Liederbuch-Affäre zeigt erneut, wie verbreitet der Antisemitismus in Österreich noch immer ist. Es sprachen außerdem Waltraut Kovacic und Robert Patocka vom Verein Steine der Erinnerung in Liesing.

Mit Fackeln und Laternen bildeten wir danach einen Lichterzug zum  ehemaligen Standort der Synagoge (Dirmhirngasse 112). Dort hielt Gerald Netzl eine historische Gedenkansprache. Neben unseren Fackeln leuchtete in der Dirmhirngasse auch das permanente Lichtzeichen. Diese Lichtskulptur in Form eines Davidsterns wurde vom Jüdischen Museum Wien bei mehreren zerstörten Wiener Synagogen errichtet und wird jeden Abend beleuchtet.

Besonders bedanken möchten wir uns bei den Helferinnen und Helfern, die beim Austeilen der Fackeln und der Absicherung des Weges unterstützten. Es waren viele neue Nachbarinnen und Nachbarn darunter, die 2015 nach Österreich kamen.

Die Veranstaltung wurde vom Verein Steine der Erinnerung in Liesing organisiert und von der Bezirksvertretung Liesing sowie der Lokalen Agenda Liesing unterstützt.

Auszug aus den Gedenkworten von Waltraut Kovacic:

Was trieb Menschen dazu, ihre Nachbarinnen und Nachbarn, ihre Arbeitskolleginnen und -kollegen, ihre Ärzte und Rechtsanwälte, ihre Kaufleute als minderwertig, als Sündenböcke, oder gar als nicht menschlich, nicht lebenswert zu sehen? Sie zu vertreiben, sie zu ermorden, einzig und allein, deshalb, weil sie Juden waren, die zum Teil seit vielen Generationen hier bei uns gelebt haben. Was veranlasste sie, deren Gotteshäuser zu zerstören?
Und wie ist das heute? Woher kommt Fremdenhass? Warum sollen in Not geratene Menschen bei uns keine Lebensberechtigung haben?
Der Verein Steine der Erinnerung, mit Unterstützung der Lokalen Agenda 21 Liesing, will an diesem Abend ein Zeichen setzen. Ein Lichtzeichen für eine bessere, gewaltfreie Zukunft.

Fotos: Lisbeth Kovacic und Alexandra Kropf

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Gedenkveranstaltung zum Novemberpogrom

Lichtsignal Synagoge Liesing

Nur wenige Meter vom Zentrum Liesings entfernt bestand bis 1938 eine Synagoge. Nach dem großen Interesse im Vorjahr wollen wir heuer erneut ein leuchtendes Zeichen der Erinnerung an das Novemberpogrom setzen: Niemals vergessen! Nie wieder Faschismus!

Zunächst stellen wir einen Stein der Erinnerung für Zdzistawa Ciehawa vor, die 1944 nach Auschwitz-Birkenau deportiert und ermordet wurde.
Im Anschluss treffen wir uns beim Amtshaus am Liesinger Platz. Nach den Gedenkansprachen bilden wir einen Lichterzug zum ehemaligen Standort der Synagoge (Dirmhirngasse 112).

Samstag, 9.11.2019

17.00 Uhr, Franz-Parsche-Gasse 6
Neuer Stein der Erinnerung für Zdzistawa Ciehawa (Nähe Billa, Liesinger Platz)

17.30 Uhr, Liesinger Platz, beim Amtshaus
Gedenkansprachen:
Bezirksvorsteher Gerald Bischof
Waltraut Kovacic und Robert Patocka (Verein Steine der Erinnerung in Liesing)

Lichterzug zum ehemaligen Standort der Synagoge Liesing, Dirmhirngasse 112
Gerald Netzl, Gedenkansprache zur Geschichte der Synagoge

Die Veranstaltung wird vom Verein Steine der Erinnerung in Liesing organisiert und von der Bezirksvertretung Liesing sowie der Lokalen Agenda Liesing unterstützt.

Wir werden Fackeln organisieren – bitte auch eigene Laternen und Fackeln mitbringen!

Öffentlich erreichbar: S-Bahn und Bus-Stationen Liesing.

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Rückblick zur Gedenk-Veranstaltung 2018
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Video zur Veranstaltung 2018 (Länge: 1:10)

Historische Ansicht der Synagoge Liesing (Quelle: Jüdisches Museum, Archiv)005044_recto_Scan_JMW_Jüdisches Museum Wien- Archiv

Veranstaltungen September 2019

Im September sind zwei Veranstaltungen geplant. Am 14. September 2019 werden zunächst die nächsten drei Steine der Erinnerung für Opfer der NS-Zeit aus Liesing vorge­stellt: für Josef Pluhar, Olga Adler und Rudolf Hawel.

Samstag, 14. September, 15:00 Uhr
Treffpunkt: Brennergasse 6, 1230 Wien
Im Anschluss: Ausklang im Gasthof Bezirksalm, Carlbergergasse 16, 1230 Wien

In Kooperation mit der Agenda-Radgruppe veranstaltet der Verein Steine der Erinnerung außerdem eine Radfahrt zu ausgewählten Steinen der Erinnerung in Liesing. Bei den einzelnen Stationen werden die Biografien der Opfer vorgestellt.
Die Route: Parkplatz gegenüber Block A Wohnpark Alt Erlaa – Auer Welsbachstraße – entlang der Liesing – Rudolf Österreichergasse – Carlbergergasse – Rechtes Liesingufer – Breitenfurter Straße – Dirmhirngasse- Ausklang Endresstraße 18 (100 Blumenbräu).

Samstag, 7. September, 14:00 Uhr
Parkplatz gegenüber Block A, Wohnpark Alt Erlaa
Persönliche Anmeldung bis 5.9. mittels Email: steine-liesing@gmx.at

 

Vorschau: Erinnerung an das Novemberpogrom
Am Samstag, 9. November 2019 wird es wie im vergangenen Jahr einen Fackelzug zum ehemaligen Standort der Liesinger Synagoge geben. Mehr als 400 Menschen waren 2018 bei dieser Gedenkveranstaltung zum Novemberpogrom dabei. Mit dem Gedenkrundgang wollen wir auch in diesem Jahr ein leuchtendes Zeichen der Erinnerung setzen: Niemals vergessen! Nie wieder Faschismus!

 

Video von Lisbeth Kovacic (Länge: 2:54)

 

Neue Steine der Erinnerung in Mauer

Ein lauer Frühsommer-Abend im Zeichen der Steine der Erinnerung: Unweit des Maurer Hauptplatzes, in der Endresstraße 93-95,  stellten wir am 4. Juni 2019 die ersten Steine der Erinnerung in diesem Jahr vor. Bezirksvorsteher Gerald Bischof ging in seinen Gedenkworten auf die Schändung der Fotodokumentation von Holocaust-Überlebenden am Ring ein und hielt fest: „Das Thema ist nicht nur Geschichte. All dies zeigt: Wachsam sein und dagegen ankämpfen, bleibt unsere Aufgabe.“

Für diese Opfer der NS-Zeit haben wir am 4. Juni 2019 Steine der Erinnerung vorgestellt:
Endresstraße 93-95:
Stein 1: Katharina Biedermann
Stein 2: Adele, Karl und Bruno Plaschkes

Rudolf Waisenhorngasse 86
Stein 3: Philip Kronberger

Näheres zu diesen Menschen gibt es demnächst auch in unserer Web-Dokumentation auf dem Portal dort!.
Die Gedenksteine des 23. Bezirks können unter diesem Link aufgerufen werden: dort.pw/steine23. 
Jeder bereits verlegte Stein ist auf einer Karte zu finden. Beim Anklicken wird ein Text mit näheren Informationen sichtbar, der auch akustisch wiedergegeben wird.

Im Anschluss an den Rundgang fand in der Bücherei am Liesinger Platz ein Liederabend mit Martin Auer statt. In seinem Programm stellte er unterschiedliche jiddische Lieder zusammen: über die Arbeit der kleinen Leute im Shteytl und in den Sweatshops der New Yorker Textilindustrie, Spottlieder gegen den Zaren und den Zarismus, vor allem über den Hitler-Faschismus – zivile politische Widerstandsgruppen und Partisanengruppen im Untergrund.
Mehr zu diesem Liederabend

Die nächsten Steine der Erinnerung stellen wir am Samstag, 14. September 2019 vor. Am Samstag, 9. November 2019 wird es wie im Vorjahr eine Gedenkveranstaltung zur Zerstörung der Liesinger Synagoge im Novemer 1938 geben.

1. Gedenkrundgang 2019 und Liederabend

Am 4. Juni 2019 stellen wir die ersten Liesinger Steine der Erinnerung in diesem Jahr vor. Bezirksvorsteher Gerald Bischof, der die Tätigkeit unseres Vereins wesentlich unterstützt, wird bei den ersten Gedenksteinen in der Endresstraße 93 sprechen.

Im Anschluss an den Gedenkrundgang findet in der Bücherei Liesing ein Liederabend mit Martin Auer statt.

Gedenkveranstaltung Dienstag, 4. Juni 2019 ab 17:00 Uhr

Gedenkrundgang: 17:00 Uhr
1. Station: Endresstraße 93-95, 1230 Wien
Gedenkwort: Gerald Bischof, Bezirksvorsteher Liesing
Stein 1: Katharina Biedermann, Hausfrau
Stein 2: Adele, Karl und Bruno Plaschkes
2. Station: Rudolf Waisenhorngasse 86
Stein 3: Philip Kronberger

martin_auer„Jid du Partisaner“: Ein LIEDERABEND mit Martin Auer: 18:15 Uhr
Lieder vom Widerstand gegen den Faschismus und gegen den Zarismus, Lieder der jüdischen ArbeiterInnenbewegung und über die Arbeit der kleinen Leute im Shteytl.
Mehr zu diesem Liederabend
Bücherei Liesing
Breitenfurter Straße 358, 1230 Wien

Insgesamt planen wir in diesem Jahr acht neue Gedenksteine für zehn Personen. Wir stellen sie an zwei weiteren Terminen vor: am Samstag, 14. September 2019 und am Samstag, 9. November 2019.

Beim letzten Termin am 9. November 2019 wird es wie im vergangenen Jahr einen Fackelzug zum ehemaligen Standort der Liesinger Synagoge geben. Mehr als 400 Menschen waren 2018 bei diesem Gedenkrundgang dabei. Mit unserem Gedenkrundgang wollen wir auch in diesem Jahr ein leuchtendes Zeichen der Erinnerung setzen: Niemals vergessen! Nie wieder Faschismus!

Ein leuchtendes Zeichen der Erinnerung

An die 400 Menschen kamen am 9. November 2018 zu Lichtsignal Synagoge Liesing, um an die Zerstörung der Liesinger Synagoge vor 80 Jahren zu erinnern. Unsere Gedenkveranstaltung begann am Liesinger Platz, Bezirksvorsteher Gerald Bischof unterstrich dort die Wichtigkeit des Sich-Erinnerns gerade in heutigen Zeiten. Anschließend zogen wir mit einer Lichterkette zum ehemaligen Standort der Synagoge in der Dirmhirngasse 112.

Amtshaus_Lisbeth_KovacicProjektion auf das Amtshaus (Foto: Lisbeth Kovacic)

„Viele Menschen haben uns an diesem Abend gesagt, dass ihnen bisher gar nicht bewusst war, dass sich hier eine Synagoge befunden hat. Wir haben dieses Gebäude für einen Abend wieder sichtbar gemacht und damit eine aktive Auseinandersetzung mit den Verbrechen des Holocausts angeregt. Es hat uns sehr gefreut, dass so vielen Menschen in Liesing die Erinnerungskultur ein Anliegen ist“, sagt Waltraut Kovacic von unserem Verein Steine der Erinnerung, der diese urbane Intervention initiiert hat.

Am Liesinger Amtshaus und am Gebäude an der Stelle Lichtzeichen_Rulandder Synagoge waren an diesem Abend Computer-Rekonstruktionen der zerstörten Synagoge zu sehen. Am ehemaligen Standort der Synagoge wird es nun ein permanentes Lichtzeichen geben. Das Jüdische Museum Wien realisierte bei 25 zerstörten Wiener Synagogen Lichtskulpturen, die ab jetzt jeden Abend beleuchtet werden.

Richard von Weizäcker hat einmal gesagt: „Vergangenheit kann man nicht bewältigen, man kann sie nur verantwortlich zu verstehen versuchen.“ Mit unserer Veranstaltung am 9. November 2018 wollten Fackel2_Holterwir dazu einen Beitrag leisten und die Erinnerungskultur im Bezirk stärken. Wir alle tragen Verantwortung, was in unserer Gesellschaft geschieht und es ist wichtig zu verstehen, wie es dazu kommen konnte, dass ohne Widerstand der Bevölkerung alle bis auf eine Synagoge in Wien verbrannt, gesprengt und geplündert wurden. Die Synagoge in Liesing war eine der vielen, die beim Novemberpogrom zerstört wurden. Sie war nicht nur faktisch ausradiert, sondern auch aus dem allgemeinen Gedächtnis verschwunden. Selbst im Bezirk war lange kaum bekannt, wo sich die Synagoge genau befunden hatte, seit ein paar Jahren gibt es nun eine Gedenktafel am Nachbargrund. 80 Jahre nach ihrer Zerstörung sollte die Synagoge nun für eine Nacht sichtbar werden: am Amtshaus, um die politische Verantwortung zu symbolisieren und  in der Dirmhirngasse, wo sie stand.

Kerkoc Klemsch2.jpgProjektion auf den Standort der Synagoge – Dirmhirngasse 112 (Foto: Michael Klemsch)

Danke für die Unterstützung!
Dass dies möglich wurde, verdanken wir sehr vielen Menschen: Besonders bedanken möchten wir uns bei Bezirksvorsteher Gerald Bischof – für sein Mitdenken und seine ideelle sowie praktische Unterstützung. Der Kulturausschuss des Bezirkes hat gemeinsam mit der Aktion Österreich100 des Bundeskanzleramtes unsere Veranstaltung finanziell unterstützt und damit die Realisierung ermöglicht.

Der Eventtechniker Erich Kulicskadie Grafikerin Maria Weilguni und die Videokünstlerin Lisbeth Kovacic haben uns in besonderem Ausmaß  unterstützt. Unser Dank gilt auch Alexander Kerkoc, der ganz uneingeschränkt und  selbstverständlich zur Projektion auf sein Firmengebäude ja gesagt hat. Er gilt ebenso dem Österreichischen Wachdienst (ÖWD) und der Firma Prangl, die wesentlich zum Gelingen beigetragen haben. Mit inhaltlicher Aufarbeitung und mit Projektiondateien haben Prof. Bob Martens und Arch. Herbert Peter sowie Gerald Netzl und Heide Liebhart unser Projekt unterstützt.  Zuletzt möchten wir uns ganz besonders bei der Lokalen Agenda 21 und Gabriele Bargehr bedanken, die den Verein Steine der Erinnerung  beständig unterstützen.

Ansprache_Menschen_KlemschVersammlung am Liesinger Platz (Foto: Michael Klemsch)

Gruppe_Holter2Gruppenfoto vor der Projektion beim Amtshaus (v.l.n.r.): Katharina Lischka (Projekt OT beim Jüdischen Museum Wien), Alexandra Kropf (Steine der Erinnerung in Liesing), Bezirksvorsteher Gerald Bischof, Waltraut Kovavic (Steine der Erinnerung in Liesing), Robert Patocka (Steine der Erinnerung in Liesing), Gabriele Bargehr (Lokale Agenda 21 Wien) (Foto: Fanny Holter)

Ansprache_Menge_Kropf

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Das Novemberpogrom in Liesing und Wien

Durch Augenzeugenberichte und öffentliche Akten lässt sich heute weitgehend nachvollziehen, was im November 1938 in Liesing geschah. Die Berichte zeigen, dass die Zerstörung auch in Liesing von den Nationalsozialisten organisiert war, es war kein spontaner Volkszorn, so wie es die Nationalsozialisten darstellten.

005044_recto_Scan_JMW_Jüdisches Museum Wien- ArchivHistorische Ansicht der Synagoge Liesing (Quelle: Jüdisches Museum, Archiv)

Der Übergriff auf die Synagoge begann mit der Demolierung der Inneneinrichtung und dem Entwenden von Gegenständen. Am Nachmittag des 10. November 1938 bereiteten uniformierte Männer (SS) und bekannte Nationalsozialisten die Zerstörung vor. Darunter befanden sich auch zwei Baumeister aus der Region. Nach einer ersten Sprentung brannte das Gebäude, es folgtre eine zweite Sprengung.

Vor Ort versammelte sich eine große Zuschauermenge. Angeblich sollen auch Schulkinder zum Brandplatz geführt worden sein. Die Feuerwehr war vor Ort, sie verhinderte das Übergreifen des Feuers auf andere Gebäude. Einer der Baumeister führte im Anschluss Fenster und Türen weg und demolierte die Baureste. Ziegelsteine nutzte der Baumeister angeblich beim Bau eines Hauses für seinen Bruder in der gleichen Gasse.

Das Grundstück eignete sich schließlich die Schwester des seinerzeitigen Ortsbauernführers der NSDAP an, im Jahr 1942 wurden am Grundstück Notwohnungen errichtet. Nach dem Ende des NS-Zeit wurde das Grundstück der Israelitischen  Kultusgemeinde Wien rückgestellt, die es schließlich veräußerte. Heute befindet sich am Grundstück ein Gebäude der Firma Kerkoc. In diesem Zusammenhang ist wichtig: Die Firma Kerkoc steht mit den Ereignissen in keiner Verbindung und unterstützte freundlicherweise die Projektion am 9.11.2018 am Firmengrundstück.

Die Synagoge verschwand mit der Zerstörung im November 1938 völlig aus dem Stadtbild und auch weitgehend aus der Erinnerung – lange Zeit war nicht einmal bekannt, wo genau sich die Synagoge befunden hatte. Durch Recherchen in den Bauunterlagen konnte schließlich die heutige Adresse Dirmhirngasse 112 ermittelt werden.

In Wien besonders massive Ausschreitungen

Das Novemberpogrom war für die Nationalsozialisten ein Probelauf. Man wollte sehen: Wie weit kann man in der Gewalt gegen Juden gehen, ohne auf Widerstand der Bevölkerung zu stoßen?

Die Ausschreitungen rund um das Novemberpogram waren in Wien besonders massiv. Wien war für viele das Tor zum Westen gewesen – es war eine der größten jüdischen Gemeinden Europas. Nach der Pogromnacht war klar, dass ein normales Leben für Jüdinnen und Juden in Wien nicht möglich war. Alle Wiener Synagogen und Bethäuser wurden zerstört – bis auf den Stadttempel in der Seitenstettengasse. Fast 2000  Wohnungen wurden in Wien geräumt, 4.000 Geschäfte zerstört. 27 Menschen wurden ermordet und rund um die Pogromnacht kam es zu rund 680 Selbstmorden.

Die Nationalsozialisten waren die treibende  des Pogroms, aber viele schauten zu, waren beteiligt, bereicherten sich. Das Ausmaß des Novemberpogroms ging schließlich weit über das hinaus, was von seiten des Regimes geplant war. Die Linie des Möglichens hatte sich verschoben. Wer eben noch Nachbar war, konnte vertrieben und ermordet werden. Der November 1938 zeigt uns: Von der Gewalt der Worte ist es nur ein kurzer Weg zur Gewalt der Taten. Der November 1938 ist damit bei weitem nicht nur Geschichte.

Mehr Informationen

Gerhard Botz zum Novemberpogrom (Der Standard 9.11.2018)

Novemberpogrom – Wien Geschichte Wiki

Plattform Novembergedenken