Gedenktafel für NS-Opfer am Liesinger Platz: Enthüllung am 25. August 2022

Eine Gedenktafel am Liesinger Platz erinnert jetzt an NS-Opfer aus dem 23. Bezirk. Unter dem Titel „Niemals vergessen“ ist die Tafel zunächst allen Menschen aus Liesing gewidmet, die auf Grund ihrer Religion, Herkunft, sexuellen Orientierung, Behinderung oder politischen Haltung verfolgt, deportiert und ermordet wurden. Darüber hinaus wird insbesondere acht NS-Opfern gedacht, deren exakte Liesinger Adresse nicht mehr ermittelt werden konnte.

Der zentrale Platz direkt vor der öffentlichen Bücherei der Stadt Wien gibt der Gedenktafel eine besondere öffentliche Sichtbarkeit. Sie wird am 25.8.2022 von Bezirksvorsteher Gerald Bischof enthüllt. Wir werden außerdem über die Erinnerungsarbeit in Liesing und die nächsten Projekte erzählen.

bücherei IMG_4694

Erinnerungsarbeit in Liesing – Herausforderungen bei der Adressenrecherche

Der Verein Steine der Erinnerung in Liesing widmet sich seit mehreren Jahren dem Gedenken an Menschen, die während der NS-Zeit ermordet wurden. An den ehemaligen Wohnorten in Liesing werden Gedenksteine in den Boden eingelassen.  Die exakte Adresszuordnung ist in Liesing besonders schwierig, da sich der heutige 23. Bezirk aus mehreren Orten zusammensetzt. Zusätzlich sind Adressenangaben in Dokumenten oft ungenau – dies war auch bei den acht Ermordeten der Fall, denen nun mit einer gemeinsamen Tafel am Liesinger Platz gedacht wird. Neben ihren Namen und Geburtsdaten sind Informationen zu ihrer Deportation und Ermordung angeführt.

Ausblick auf die Vereins-Veranstaltungen im Herbst

Gedenktafel-Enthüllung: 25.8.2022, 17.30
Liesinger Platz vor der Bücherei, Breitenfurter Straße 358
Die Gedenktafel-Enthüllung findet im Freien statt, bitte Abstand einhalten. Nach der Enthüllung findet vor dem Agenda-Büro ein gemeinsamer Ausklang statt. Wir freuen uns, wenn Sie dabei sind!

Gedenkbegehung im Raum Autofabrikstraße: 22.10.2022, 15.00
Im Zuge eines Rundgangs werden vier neue Steine der Erinnerung vorgestellt.

Stilles Gedenken zur Zerstörung der Synagoge Liesing: 9.11.2022, 18.00
Die Lichtinstallation 2018 war der Beginn unserer jährlichen Veranstaltung anlässlich der Pogromnacht 1938. Wir kommen heuer wieder am ehemaligen Platz der Synagoge in der Dirmhirngasse 112 zusammen.

Fotos von der Enthüllung am 25.8.2022

Weitere Hinweise zur Erinnerungsarbeit im Bezirk

Gedenktafel2

Gedenktafel für Opfer der Euthansie

Bereits 2018 haben wir eine Gedenktafel für die rund 140 Liesinger Opfer der Euthanasie eröffnet. Sie kann zu den Öffnungszeiten des Liesinger Schlossparks besucht werden.

Mehr zur Gedenktafel: https://steine23.wordpress.com/2018/09/14/gedenkveranstaltung-fuer-liesinger-opfer-der-euthanasie/

Wege der Erinnerung durch Liesing

Mehrere Routen führen zu den Wohnorten von Menschen aus Liesing, die während der NS-Zeit ermordet wurden. Sie führen durch Alterlaa, Mauer etc. Bei jedem Rundgang besucht man selbständig anhand einer PDF-Broschüre mit Lageplan mehrere Steine der Erinnerung für Opfer der NS-Zeit.

PDF Weg der Erinnerung Raum Carlbergergasse

Virtueller Rundgang

Alle Steine der Erinnerung in Liesing kann man auch virtuell besuchen. Dazu öffnet man die Webseite www.dort.pw auf dem Smartphone oder Tablet. Besonders praktisch: Wenn man mit dem mobilen Endgerät zu einem Gedenkstein kommt, erscheint ein Fenster mit der Lebensgeschichte der Opfer und mit Aufnahmen in visueller und auditiver Form.

Broschüre zur Zwangsarbeit

Innerhalb des heutigen 23. Bezirks befanden sich während der NS-Zeit rund 30 Zwangsarbeits-Lager. Eine neue Broschüre listet die Standorte und Informationen dazu auf. Sie kann auf der Website des Vereins downgeloadet werden: http://steine23.at/. Zu den Zwangsarbeits-Lagern ist im Spätherbst außerdem eine Veranstaltung geplant.

Unser Verein Steine der Erinnerung entstand auf Initiative der Lokalen Agenda 21 Liesing und wird von der Bezirksvertretung Liesing und vom  Zukunftsfonds der Republik Österreich unterstützt.

 

1. Gedenkrundgang 2019 und Liederabend

Am 4. Juni 2019 stellen wir die ersten Liesinger Steine der Erinnerung in diesem Jahr vor. Bezirksvorsteher Gerald Bischof, der die Tätigkeit unseres Vereins wesentlich unterstützt, wird bei den ersten Gedenksteinen in der Endresstraße 93 sprechen.

Im Anschluss an den Gedenkrundgang findet in der Bücherei Liesing ein Liederabend mit Martin Auer statt.

Gedenkveranstaltung Dienstag, 4. Juni 2019 ab 17:00 Uhr

Gedenkrundgang: 17:00 Uhr
1. Station: Endresstraße 93-95, 1230 Wien
Gedenkwort: Gerald Bischof, Bezirksvorsteher Liesing
Stein 1: Katharina Biedermann, Hausfrau
Stein 2: Adele, Karl und Bruno Plaschkes
2. Station: Rudolf Waisenhorngasse 86
Stein 3: Philip Kronberger

martin_auer„Jid du Partisaner“: Ein LIEDERABEND mit Martin Auer: 18:15 Uhr
Lieder vom Widerstand gegen den Faschismus und gegen den Zarismus, Lieder der jüdischen ArbeiterInnenbewegung und über die Arbeit der kleinen Leute im Shteytl.
Mehr zu diesem Liederabend
Bücherei Liesing
Breitenfurter Straße 358, 1230 Wien

Insgesamt planen wir in diesem Jahr acht neue Gedenksteine für zehn Personen. Wir stellen sie an zwei weiteren Terminen vor: am Samstag, 14. September 2019 und am Samstag, 9. November 2019.

Beim letzten Termin am 9. November 2019 wird es wie im vergangenen Jahr einen Fackelzug zum ehemaligen Standort der Liesinger Synagoge geben. Mehr als 400 Menschen waren 2018 bei diesem Gedenkrundgang dabei. Mit unserem Gedenkrundgang wollen wir auch in diesem Jahr ein leuchtendes Zeichen der Erinnerung setzen: Niemals vergessen! Nie wieder Faschismus!

Ein leuchtendes Zeichen der Erinnerung

An die 400 Menschen kamen am 9. November 2018 zu Lichtsignal Synagoge Liesing, um an die Zerstörung der Liesinger Synagoge vor 80 Jahren zu erinnern. Unsere Gedenkveranstaltung begann am Liesinger Platz, Bezirksvorsteher Gerald Bischof unterstrich dort die Wichtigkeit des Sich-Erinnerns gerade in heutigen Zeiten. Anschließend zogen wir mit einer Lichterkette zum ehemaligen Standort der Synagoge in der Dirmhirngasse 112.

Amtshaus_Lisbeth_KovacicProjektion auf das Amtshaus (Foto: Lisbeth Kovacic)

„Viele Menschen haben uns an diesem Abend gesagt, dass ihnen bisher gar nicht bewusst war, dass sich hier eine Synagoge befunden hat. Wir haben dieses Gebäude für einen Abend wieder sichtbar gemacht und damit eine aktive Auseinandersetzung mit den Verbrechen des Holocausts angeregt. Es hat uns sehr gefreut, dass so vielen Menschen in Liesing die Erinnerungskultur ein Anliegen ist“, sagt Waltraut Kovacic von unserem Verein Steine der Erinnerung, der diese urbane Intervention initiiert hat.

Am Liesinger Amtshaus und am Gebäude an der Stelle Lichtzeichen_Rulandder Synagoge waren an diesem Abend Computer-Rekonstruktionen der zerstörten Synagoge zu sehen. Am ehemaligen Standort der Synagoge wird es nun ein permanentes Lichtzeichen geben. Das Jüdische Museum Wien realisierte bei 25 zerstörten Wiener Synagogen Lichtskulpturen, die ab jetzt jeden Abend beleuchtet werden.

Richard von Weizäcker hat einmal gesagt: „Vergangenheit kann man nicht bewältigen, man kann sie nur verantwortlich zu verstehen versuchen.“ Mit unserer Veranstaltung am 9. November 2018 wollten Fackel2_Holterwir dazu einen Beitrag leisten und die Erinnerungskultur im Bezirk stärken. Wir alle tragen Verantwortung, was in unserer Gesellschaft geschieht und es ist wichtig zu verstehen, wie es dazu kommen konnte, dass ohne Widerstand der Bevölkerung alle bis auf eine Synagoge in Wien verbrannt, gesprengt und geplündert wurden. Die Synagoge in Liesing war eine der vielen, die beim Novemberpogrom zerstört wurden. Sie war nicht nur faktisch ausradiert, sondern auch aus dem allgemeinen Gedächtnis verschwunden. Selbst im Bezirk war lange kaum bekannt, wo sich die Synagoge genau befunden hatte, seit ein paar Jahren gibt es nun eine Gedenktafel am Nachbargrund. 80 Jahre nach ihrer Zerstörung sollte die Synagoge nun für eine Nacht sichtbar werden: am Amtshaus, um die politische Verantwortung zu symbolisieren und  in der Dirmhirngasse, wo sie stand.

Kerkoc Klemsch2.jpgProjektion auf den Standort der Synagoge – Dirmhirngasse 112 (Foto: Michael Klemsch)

Danke für die Unterstützung!
Dass dies möglich wurde, verdanken wir sehr vielen Menschen: Besonders bedanken möchten wir uns bei Bezirksvorsteher Gerald Bischof – für sein Mitdenken und seine ideelle sowie praktische Unterstützung. Der Kulturausschuss des Bezirkes hat gemeinsam mit der Aktion Österreich100 des Bundeskanzleramtes unsere Veranstaltung finanziell unterstützt und damit die Realisierung ermöglicht.

Der Eventtechniker Erich Kulicskadie Grafikerin Maria Weilguni und die Videokünstlerin Lisbeth Kovacic haben uns in besonderem Ausmaß  unterstützt. Unser Dank gilt auch Alexander Kerkoc, der ganz uneingeschränkt und  selbstverständlich zur Projektion auf sein Firmengebäude ja gesagt hat. Er gilt ebenso dem Österreichischen Wachdienst (ÖWD) und der Firma Prangl, die wesentlich zum Gelingen beigetragen haben. Mit inhaltlicher Aufarbeitung und mit Projektiondateien haben Prof. Bob Martens und Arch. Herbert Peter sowie Gerald Netzl und Heide Liebhart unser Projekt unterstützt.  Zuletzt möchten wir uns ganz besonders bei der Lokalen Agenda 21 und Gabriele Bargehr bedanken, die den Verein Steine der Erinnerung  beständig unterstützen.

Ansprache_Menschen_KlemschVersammlung am Liesinger Platz (Foto: Michael Klemsch)

Gruppe_Holter2Gruppenfoto vor der Projektion beim Amtshaus (v.l.n.r.): Katharina Lischka (Projekt OT beim Jüdischen Museum Wien), Alexandra Kropf (Steine der Erinnerung in Liesing), Bezirksvorsteher Gerald Bischof, Waltraut Kovavic (Steine der Erinnerung in Liesing), Robert Patocka (Steine der Erinnerung in Liesing), Gabriele Bargehr (Lokale Agenda 21 Wien) (Foto: Fanny Holter)

Ansprache_Menge_Kropf

Fackeln_entzünden_Kropf.jpg

Fackeln_Kropf.jpg

Kerkoc_Kropf2.jpg